Sichtschutz vor dem ersten großen Absprung

Am großen Tag vor meinem ersten Sprung saßen wir gemeinsam in einem Café und gingen die Schritte noch einmal genau durch. Doch schon die Nacht zuvor machte keiner der Anfänger ein Auge zu, da die Aufregung einfach zu groß war. Dennoch freute man sich auf den ersten Sprung aus dem Flieger, wo man die Erde aus einem ganz anderen Blickwinkel sehen und sich wie ein Vogel fühlen würde. Bis dahin saßen wir auf dem Boden der Tatsachen unter dem Sonnensegel des Cafés und wollten nur noch, dass die Zeit schnell vergeht oder lieber doch nicht…?

Dann setzten wir uns in den Flieger, der in die Lüfte abhob und mussten darin noch einmal 20 Minuten auf den großen Moment warten. Schon lustig, wie wir da alle saßen, uns ansahen, dann mal wieder vorsichtig aus dem Fenster linsten und wie uns bewusst wurde, dass das eine ganz schöne Höhe war! Wir überprüften mehrmals unsere Rucksäcke und machten uns Gedanken darüber, ob wir die Reißleine in der Luft auch finden würden. Der Adrenalinschub war schon in diesem Moment heftig – konnte er sich überhaupt noch steigern? Durch das Dachfenster Rollo, konnte man leicht nach draußen blicken. Dann wurde es hochgezogen und man saß direkt vor dem freien Himmel. Unter einem die Erde und sonst nichts. Kurz überlegte man, ob man das Rollo nicht schnell wieder runter ziehen und sich in die Ecke verkrümeln sollte. Aber was sollten die Kumpels von einen denken! Also sammelte man sich, dachte nicht länger nach und sprang – natürlich zusammen mit dem Ausbilder – und schaffte es sogar, die Leine rechtzeitig zu ziehen. Die gefühlte Zeit in der Luft verging recht langsam. Und dann war es aber doch viel zu schnell schon vorbei. Nach überstandener Mutprobe saßen wir wieder unterm Sonnensegel im Café, viel entspannter als vorher, und mit der Gewissheit: Das mache ich wieder!